Als Hüttwilen-Neuling war ich ausserordentlich gespannt auf diesen Anlass. Die Tatsache, dass in den dem Ereignis vorangehenden Tagen im Lehrerzimmer fast nur noch davon gesprochen wurde, verdeutlichte mir schon im Voraus die Bedeutung des jährlich wiederkehrenden Events.

Am Montag in der Pause dann der (vermeintlich) schwerwiegende Entscheid: Trotz angekündigter Schauertätigkeit für den nächsten Tag wird die Durchführung beschlossen. «Wenn ich einen OL organisiere, dann regnet’s nicht!» verkündet der Organisator und OL-Guru Heinz Stuber. Und er scheint einen direkten Draht zu Petrus zu haben. Auf dem morgendlichen Weg in die Schule (allerdings von Amriswil aus) giesst es aus Kübeln. Und am Nachmittag: Sonne, trocken, angenehme Temperatur, schlicht bestes OL-Wetter.

Nach dem Picknick beim Schulhaus nimmt just zur Mittagszeit, wenn der Verkehr auf den Hauptstrassen am stärksten ist, eine Riesenschar von Schülerinnen und Schülern den Weg unter die Räder. Aber wer fährt denn schon auf der Hauptstrasse? Auf Schleichwegen bewegt sich ein Tatzelwurm von velo- und mofafahrenden Jugendlichen ins Gebiet Debrunnen. Und dort, wo die Hauptstrassen gequert werden müssen, stehen pflichtbewusste Lehrpersonen und regeln den Verkehr. Wunderbar, wie alle Autofahrer anstandslos anhalten und warten, bis sie nach einer gefühlten Ewigkeit weiterfahren können.

Beim Weiler Debrunnen dann das geordnete Chaos. Gegen 150 Velos, E-Bikes und Mofas stehen auf dem Parkplatz bei der Scheune. Die Schülerinnen und Schüler stärken sich ein letztes Mal, bevor es um 13:15 Uhr losgeht.

Den eigentlichen OL-Lauf muss der Reporter in seinem Bericht auslassen, denn die Jugendlichen bewegen sich ja mithilfe von Karte, Kompass und Badge komplett alleine durch den Wald. Erst am Ziel tauchen die Sportler wieder auf, atemlos die einen, durchgestylt wie vor dem Start die anderen. Der Badge verrät in der Folge die Zeit und die Vollständigkeit des Laufs. Die Diskussionen unter den Jugendlichen drehen sich um die Posten: «Der 5. war schwierig zu finden!» «Fand ich nicht, wir hatten eher Mühe beim 7.»

Die Damen Benz und Brouzos haben rechtzeitig ihren Verpflegungsstand eingerichtet und versorgen alle mit Tee, Äpfeln, Apfelringli und Riegel. Kaum jemand, der sich nicht heisshungrig und durstig auf das Angebot stürzt.

Nach 14:00 Uhr kommen immer mehr Schülerinnen und Schüler von ihrem Lauf zum Rechnungsbüro zurück. In einer geordneten Kolonne warten alle geduldig darauf, bis sie ihren Badge einlesen können und die Laufzeit erfahren. Kurz nach 15:00 Uhr sind die meisten schon heimwärts abgefahren. Man wartet noch auf zwei Gruppen von Primarschülern. Spasseshalber meint jemand: «Es wird doch sicher kein Wolf …»

Ja, und dann ist die Ausgabe 2016 des in Hüttwilen traditionellen Laufs auch schon vorbei. Die Lehrpersonen kontrollieren noch kurz, ob Abfall liegen geblieben ist. Fazit: Erfreulich wenig, was den Jugendlichen ein gutes Zeugnis ausstellt.

Negativer Höhepunkt: Zwei Schüler haben einen Posten abgerissen und im Wald versteckt. Somit konnten die folgenden Läufer den Posten nicht finden. Organisator Stuber ist ausser sich: «Man sollte die beiden … (Fortsetzung von der Zensur gestrichen!).»

Den Abschluss findet der OL-Event am Donnerstag in der Pause, wo die glorreichen Sportler anlässlich der Rangverkündigung geehrt werden. Sie haben es verdient!

Text und Fotos: Bernhard Windler, Schulleiter a.i.